Was Kinder und Fotografie gemeinsam haben

Dieser Blog-Eintrag entsteht auf einem Spaziergang. Ich diktiere ihn ins Handy. Spontan, eigentlich wollte ich über etwas ganz Anderes schreiben. Aber spontane Erlebnisse erfordern manchmal auch spontane Planänderungen.

“Ist krass geworden, echt krass” ruft mir ein kleiner Junge zu, vielleicht fünf oder sechs Jahre alt. Er ist gerade mit seinem Roller eine kleine Gefällestrecke hinab gefahren. Eigentlich kann man es kaum Gefälle nennen, so flach ist es. Und seine Fahrt hat wohl kaum 10 Sekunden gedauert. Aber für ihn ist es “echt krass”. Er strahlt.

Den ganzen Tag über habe ich wieder auf irgendwelchen Stühlen gesessen, habe in irgendwelche Tastaturen irgendwelche pseudo-wichtigen Sachen eingetackert.
Schnell hält man das, womit man sich tagsüber so beschäftigt, für das Wichtigste auf der Welt. Und diese Welt, so denkt man, bricht zusammen, wenn mal etwas nicht so gelingt, wie man es sich vorgestellt hat. Man ist gereizt, verbeißt sich in die Dinge und ist schlecht drauf. Und immer wieder lässt man das auch seine Umwelt und die anderen Menschen spüren. So ging es mir heute auch.

Lebensfreude pur

Und dann kommt dieser kleine Junge mit dem, was für ihn sicherlich ein Highlight des heutigen Tages ist, und holt mich ganz schnell in die wirkliche Welt zurück. Zu dem, was soviel wichtiger ist als die kleinen Sorgen und Probleme, mit denen wir uns oft beschäftigen und die wir künstlich groß machen. Dieser kleine Junge zeigt mir Lebensfreude und die Wichtigkeit der kleinen Dinge.
“Echt krass”.

Fotografie kann das auch

Manchmal, wenn ich Stress habe, nehme ich meine Kamera und gehe nach draußen. Gar nicht weit von meinem Zuhause entfernt ist ein Park und immer wieder schaffe ich es nur bis dorthin. Nicht, weil ich nicht die Ausdauer für eine längere Strecke hätte. Aber in diesem Park gibt es Fotomotive in Hülle und Fülle. Und mit denen befasse ich mich dann. Ich nehme mir richtig viel Zeit. Wie will ich den alten Baum fotografieren, möchte ich ihn komplett im Bild haben oder nur ein Detail? Wie fällt das Licht? Was ist im Hintergrund zu sehen? Will ich das Bild später in Farbe oder in Schwarz-Weiß haben?

Automatisch komme ich zur Ruhe. Die Themen, die mich tagsüber noch beschäftigt und geärgert haben, verlieren an Relevanz. In meinem Kopf ist für sie kein Platz mehr, da sind jetzt andere Dinge angesagt.

Das wahre Leben

Plötzlich nehme ich auch das Zwitschern der Vögel wieder wahr. Wie viel verschiedene Vögel mögen das sein? Ich höre die Enten schnattern und das Rauschen des Windes in den Blättern der Bäume. All das nehme ich wahr, weil ich mich auf meine Umgebung einlasse. Und das mache ich, weil ich sie fotografieren möchte. Eigentlich bräuchte ich dazu gar keine Kamera und oft komme ich auch nur mit wenig Bildern nach Hause. Aber das ist egal. Es geht nicht immer darum, ein fotografisches Meisterwerk zu schaffen. Es geht hier auch nicht um die Kamera und nur am Rande um Blende und Verschlusszeit.

Letzten Endes ist es meine Gesundheit, der ich Gutes tue. Das mag sich jetzt hochgestochen anhören, ist aber so. Es geht um Stressabbau, um Abstandnehmen vom Alltag, darum, wieder “runterzukommen”. Die Kamera hilft mir dabei, immer wieder. Und das ist auch “echt krass”.

Probiert es doch mal aus. Wenn mal wieder alles zuviel wird, nehmt einfach die Kamera in die Hand, geht raus und auf Fotopirsch. Nur für Euch selbst und nicht mit dem Anspruch, nachher den Freunden tolle Fotos zeigen zu können oder bei Facebook oder sonstwo Likes zu sammeln.
Ich verspreche Euch, das wird eine tolle Erfahrung.

Und wenn Ihr mögt, schreibt darüber in den Kommentaren. Dann können wir uns austauschen, ich finde das spannend 🙂

2 Kommentare

  1. Reiner

    Das ist schön geschrieben und ich kann das nur bestätigen. Liebe Gruesse und Danke…Reiner

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