Die beste Kamera?

Überall laufen sie mit ihren Handys rum. Wenn ich durch die Stadt gehe, sehe ich sie ständig, meistens junge Leute. Sie stehen beieinander und mindestens einer hat immer ein Handy in der Hand und fotografiert die anderen. Oft lachen sie dabei und haben offensichtlich Spaß daran.

Der “Profi”

Ich mache das nicht. Ich bin ein “richtiger” Fotograf. Ich brauche verschiedene Brennweiten, um den Bildausschnitt genau festlegen zu können. Ich muss Verschlusszeit und Blende selbst einstellen können, um genau den Bildeffekt zu kreieren, den ich haben will. Vielleicht will ich Bewegung darstellen, vielleicht will ich mit Unschärfe arbeiten. Wie sollte das sonst gehen?

Ich brauche Dynamikumfang, um möglichst viele helle und dunkle Bereiche in meinen Fotos darstellen zu können. Und neben noch einigen anderen Dingen brauche ich eine Kamera, die mir gut in der Hand liegt. Mit der es mir Spaß macht, zu fotografieren. All das kann das Handy mir nicht bieten. Oder?

Probieren geht über Studieren

Ich mache einen Selbstversuch. Ich gehe raus und mache einen Spaziergang. Und ich will Fotos machen, viele Fotos. Alle mit dem Handy. Wollen wir doch mal sehen, was daran so toll sein soll. Immerhin ist die technische Entwicklung bei den Handykameras in den letzten Jahren rasant vorangeschritten. Vielleicht sollte ich dem Ganzen mal eine Chance geben.

Entschleunigung

Der Baum

Ich gehe also los. Das Handy in der Hand, immer auf der Suche nach Fotomotiven.
Ich bin noch langsamer unterwegs, als sonst. Der schnelle Spaziergänger bin ich sowieso nicht, ich bummele eher. So kann ich meine Umwelt besser und bewusster wahrnehmen und die Zeit besser genießen. Aber jetzt bin ich noch langsamer. Ständig bleibe ich stehen, schaue nach links, schaue nach rechts, drehe mich um. Immer auf der Suche nach etwas, das ich mit dem Handy festhalten kann.

Blende einstellen? Brennweite festlegen?

Es ist schon anders, als mit einer “normalen” Kamera. Mit dem Handy bin ich technisch ziemlich eingeschränkt. Ich kann nur wenige Parameter einstellen. Brennweite wählen geht z.B. gar nicht. Ich sehe also ein Motiv und muss erst einmal hingehen, um es dann durch das Handy-Display in Augenschein zu nehmen.

Das Bild heller oder dunkler machen, das geht, und bei meinem Handy kann ich sogar die Verschlusszeit im bestimmten Rahmen selbst einstellen. Aber das ist es dann auch schon. Ich finde also ein Motiv, suche mir eine gute Perspektive und dann mache ich das Bild. Oder ich lasse es bleiben. Kamera einstellen? Nahezu Fehlanzeige.

Blumen im Aawiesenpark in Herford

Auch kreative Spielereien sind mit der Smartphone-Kamera möglich

Immer unterwegs

Dadurch laufe ich mehr herum, als sonst. Ich halte das Handy mal über den Kopf, mal fast auf den Boden. Aus irgendwelchen Gründen wähle ich Perspektiven, die ich mit einer anderen Kamera seltener aussuche. Keine Ahnung, warum das so ist. Vielleicht der Spieltrieb? Das neue “Werkzeug” erkunden? Kann schon sein.

Am Ende habe ich wieder so manchen Meter gemacht. Bin kreuz und quer durch die Gegend gelaufen, habe mich um meine Motive herum bewegt und eine ganze Menge Fotos geschossen. Mehr als sonst üblich, ich wollte das Ganze ja mal so richtig testen. Die Zeit ist wie im Flug vergangen, 1 ½ Stunden sind da nichts. Entspannung hat sich eingestellt.

Schattenspiele

Schattenspiel

Wie hat’s mir gefallen? Es ist auf jeden Fall eine neue und interessante Erfahrung. Stimmt ja: Die beste Kamera ist die, die man dabei hat. Und das Smartphone haben die meisten von uns immer dabei. Und auch wenn ich schon andere Handyfotos gesehen habe und weiß, dass die technische Qualität der Fotos inzwischen ganz beachtlich ist, bin ich doch überrascht, dass auch mein Gerät das kann. Ich habe nicht so ein Hightech-Gerät, kein iPhone und auch keines von den ganz teuren Android-Telefonen.

Ist das Handy nun soweit, eine Kamera zu ersetzen? Manchmal vielleicht. Wenn man sich spontan überlegt, zu fotografieren, und keine Kamera mitgenommen hat.
Oder wenn man die Beschränkungen der Handykamera nutzen will, um die eigenen fotografischen Fähigkeiten zu erweitern. Denn dafür ist es super geeignet. Es ist schon etwas Anderes, ob man sein Motiv mal gerade “heranzoomen” kann oder zum Motiv hingehen muss. Man setzt sich zwangsläufig mehr damit auseinander und man schult den eigenen Blick.

Außenseiter

Außenseiter

Aber es gibt auch Einschränkungen, die nicht so toll sind. Der Sensor des Handys ist klein. Damit ist er anfällig für Bildrauschen und auch das Arbeiten mit Unschärfe funktioniert kaum. Manche Smartphones versuchen, einen Unschärfe-Effekt zu errechnen. Klappt manchmal und oft nicht. Da soll das iPhone ganz gut sein.

Wesentlich ist auch das Akkuproblem. Ich habe in ca. 1 ½ Stunden 60 Fotos gemacht. Der Akku war voll, als ich aus dem Haus gegangen bin und nach der Fotosession beinahe halb leer. Eine Powerbank, also ein zusätzlicher, externer Akku, ist also Pflicht.

Die nächste Frage ist, wie bekomme ich die Fotos vom Handy in mein Lightroom? Per Import von einer Speicherkarte, wie ich es sonst mache, auf jeden Fall nicht. Da muss ich mir noch was überlegen. Vielleicht über die Dropbox, das würde halbwegs automatisch funktionieren.

Fazit

Mein persönliches Fazit ist, dass ich das Smartphone nun häufiger mal als Kamera verwenden werde. Die Qualität ist gut, es ist immer dabei und ich kann so manchen Moment festhalten, den ich sonst nicht im Bild gehabt hätte. Außerdem gibt’s für’s Smartphone auch tolle Software, um die Fotos dort direkt zu bearbeiten. Das macht Spaß und man kann sich kreativ austoben. Als ein Beispiel sei Snapseed genannt. Kostenlos und super leistungsfähig.

Nur zuviel fotografieren darf ich nicht. Dann ist ruck zuck der Akku leer. Und vielleicht will ich gerade dann auch mal telefonieren.

Was guckst Du?

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