Das Diktat der Uhr

Ich öffne die Augen. Es ist noch dunkel. Einmal schnell aufs Klo und dann wieder hinlegen. Ich kann bestimmt noch etwas schlafen. Und dann tue ich es doch, mein Blick fällt auf die Uhr. 4:37 Uhr.

Das ist eine blöde Zeit. Zu spät um noch ausgiebig auszuschlafen, denn spätestens um 6 Uhr muss ich sowieso raus. Aber müde bin ich schon noch, also bleibe ich liegen.
Meine Versuche, wieder einzuschlafen, sind sinnlos. Wahrscheinlich genau deshalb, weil ich es versuche. Und so liege ich da und denke darüber nach, dass es immer später wird und ich immer noch wach bin.

5 Uhr. Das hat ja alles keinen Sinn, ich stehe auf. Zurzeit ärgern mich die Bandscheiben ein bisschen und meine Physiotherapeutin hat mir einige schöne Übungen gezeigt. Die kann ich ja genauso gut auch schon morgens früh um 5 machen.
Also quäle ich mich aus dem Bett, lege die Isomatte in den Flur und mache Frühsport. Sehr lobenswert Markus, hast du fein gemacht.

Fitneßstudio fotoauszeit.de

Heim-„Fitneßstudio“

5:45 Uhr, Zeit zum Frühstücken. Frühstück, duschen, ab in die Klamotten und los geht’s. Der erste Termin wartet, dann der zweite. So geht das den ganzen Tag. Ein Termin jagt den nächsten, eine Verpflichtung reiht sich an die andere. Immer getaktet durch die Uhr, auf die mein Blick ständig fällt. Bin ich noch früh genug dran? Oder schon irgendwo zu spät? Ich lasse mir den Tag von der Uhr diktieren. Sogar mittags. 13:30 Uhr, Zeit, essen zu gehen. Schließlich gehe ich immer um 13:30 Uhr.

Herduhr

Selbst der Herd zeigt uns ständig an, wie spät es ist.

Noch besser mit Smartwatch

Schon verrückt, oder? Warum tun wir das? Eine Zeitlang habe ich sogar eine Smartwatch gehabt. Toll, endlich gab’s bei eingehenden Emails oder WhatsApp-Nachrichten sofort eine Info und ich konnte sofort antworten. Was ich dann auch tat. Wieder mehr geschafft, wieder produktiver geworden.

Smartwatch fotoauszeit.de

Ausgemustert. Meine Smartwatch

Die Smartwatch habe ich zwar noch, aber ich nutze sie nicht mehr. Als sie irgendwann Mucken gemacht hat, weil sie ein Software-Update nicht einspielen wollte, habe ich sie in der Ecke liegen lassen. Ein Software-Update. Bei einer Uhr. Mir wurde das zu bunt.

Auch sonst versuche ich immer wieder, mir Zeiten ohne Uhr oder zumindest ohne ständigen Blick auf diese zu gönnen. Vorzugsweise Sonntags. Manchmal habe ich auch am Sonntag Termine aber ich versuche ziemlich konsequent, das zu vermeiden. Dann schlafe ich wirklich aus, egal, ob es beim ersten Aufwachen 4:37 Uhr oder sonstwie spät (oder früh) ist. Und dann stehe ich auf, frühstücke gemütlich und genieße die Zeit, ohne mir etwas vorgenommen zu haben. Totaler Luxus, ich weiß. Ich lebe allein und muss auf niemanden Rücksicht nehmen.

Aber diese Tage sind wichtig. Sie sind gut, um wieder Kraft zu tanken für die kommende Woche. Und sie tun meiner Kreativität extrem gut. Ohne den Druck, irgendetwas zu einer bestimmten Zeit getan haben zu müssen, können die Gedanken viel freier fließen. So manche Idee zu einer Veranstaltung oder zu einem Fotoprojekt ist mir schon an so einem Sonntag gekommen.
Der Tag ist dann auch länger oder er fühlt sich zumindest so an.

Die beste Zeit

Die beste Zeit ist sowieso die, in der wir nicht auf die Uhr schauen. Im Urlaub zum Beispiel oder wenn wir uns abends mit Freunden treffen. Am Samstagabend war ich bei einer spontanen Geburtstagsfeier einer guten Freundin. Wir saßen schön im Garten und haben, wie man so sagt, die Zeit vergessen. Gute Gespräche, dazu ein Guiness und irgendwann haben wir gemerkt, dass es schon lange dunkel ist. Herrlich 🙂 .

Wir sollten uns nicht so hetzen lassen. Mal seltener auf die Uhr schauen, uns weniger vornehmen. Während ich hier schreibe, sitze ich auf meinem Balkon. Ich habe Ruhe und Zeit und nehme die Vogelstimmen wahr und das Rauschen des Wassers an dem kleinen Wehr, dass hier in der Nähe ist. Unten gehen ab und zu Spaziergänger vorbei, die sich unterhalten. Dinge, die ich sonst einfach nicht bewusst mitbekomme, wenn ich durch den Tag eile.

Arbeitsplatz fotoauszeit.de

Mein Büro, wenn das Wetter passt. So lässt sich’s arbeiten.

Ich wünsche Euch allen eine entspannte Zeit 🙂

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